Sauerlandibus
Sauerlandibus = für alle Sauerländer                                       

Die sagenumwobene Negerkirche

 „Am nördlichen Saume des Astenberges, da, wo sein Buchwald beginnt, wahrt bis heute ein wüster Platz den Namen Negerkirche – in welch uralter Zeit diese erbaut worden ist, ist unbekannt; ebenso, wann sie verfallen ist – man sagt, zur Zeit des „schwarzen Todes“.   So weit Friedrich Wilhelm Grimme in seinem Buch „Das Sauerland und seine Bewohner“. Wo genaue Kenntnisse aus schriftlichen oder baulichen Quellen fehlen, ist es kein Wunder, dass die Menschen immer wieder an dieser geheimnisvollen Stätte ehrfürchtig und bereitwillig den vielen Sagen und Geschichten lauschten, die die Älteren zu erzählen wussten.  

Durch vergleichende Geschichtsforschung und neue Untersuchungsmethoden konnte allerdings in den letzten Jahren ein wenig Licht in das geheimnisvolle Dunkel um die Negerkirche gebracht werden.

So verdanken wir dem Geschichtsforscher Johannes Suibert Seibertz eine Beschreibung und ein Aufmaß der Negerkirche. Seibertz lebte und arbeitete im Haus Wildenberg in Brunskappel, als im Jahre 1852 die Straße von Siedlinghausen ins Sorpetal ausgebessert und befestigt wurde und man sich dabei für die Überreste der Negerkirche interessierte.

Friedrich Albert Groeteken schreibt in der „Geschichte der Pfarrei Oberkirchen und ihrer Filialen“, dass bis 1852 noch verfallene Mauern sichtbar gewesen seien. Die Kirche sei wohl in der „wilden Zeit“ (Raubritterzeit) um 1500 zerstört worden, sonst hätte man den Taufstein als Weihegegenstand entfernt. Er lag aber samt Altarstufen, Lanzen, Sensen, Messern, Hufeisen und Scherben unter den Trümmern der alten Kirche. Leider wurden in den Jahren 1852 – 1854 die Trümmer abgetragen und die Steine zur Straßenbefestigung genutzt.

1984 wurde im Vorfeld des geplanten Baues der Renautalsperre im Bereich der Negerkirche eine Bodenuntersuchung durch das westfälische Museum für Archäologie (Münster) durchgeführt. Mit Hilfe der Phosphatkartierung wurden eindeutig die Kirchenstelle mit Friedhof und unterhalb der Straße ein Siedlungsbereich nachgewiesen . Das Dorf Negere (später Negerkirchen) hat nach den Forschungsergebnissen bereits 900 n. Chr. existiert, ist also älter als die Negerkirche. Ebenso alt dürften die übrigen Dörfer des Siedlungsbereichs sein.

 Die Negerkirche ist im Zuge der Christianisierung als Filialkirche der Urpfarrei Wormbach gebaut worden.

Im 15. Jahrhundert wurden insbesondere unbefestigte Dörfer immer wieder von umherziehenden Söldnerhorden überfallen und ausgeraubt. Unser Raum hat stark unter den Auswirkungen der Soester Fehde (1444 – 1449) gelitten. Die Bewohner der kleinen Dörfer zogen in ihrer Not in die befestigten Städte, z.B. nach Winterberg oder dorthin, wo eine Burg einen gewissen Schutz bot. Die Edelherren v. Gaugreben konnten mit ihrer Burg in Siedlinghausen zumindest anfänglich diesen Schutz gewähren, zumal sie in der Soester Fehde selbst Beteiligte auf Seiten der Kölner Erzbischöfe waren. Die verlassenen Dörfer und Kirchen verfielen oder wurden verwüstet.

Siedlinghausen profitierte durch den Zuzug der Neubürger nicht nur hinsichtlich der Bevölkerungszahl sondern auch hinsichtlich der Flurgröße, da die Zugezogenen selbstverständlich ihren Grundbesitz mitbrachten.

 Der SGV Siedlinghausen hat 1984 zur Erinnerung an die Negerkirche ein Kreuz und einen Gedenkstein aufgestellt, wo noch vor 500 Jahren dörfliches und kirchliches Leben waren.

 



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