Sauerlandibus
Sauerlandibus = für alle Sauerländer                                       

Die Fredeburger „Schwammklöpper ” Von Annemarie Runge, Münster

 Über die genauere Verbreitung des an Buchen und Birken wachsende n Zunderparlings in Westfalen sind wir bisher nur spärlich unterrichtet. So wachsen prächtige, mehrjährige Fruchtkörper im Krüppel-Buchenwald auf dem Kahlen Asten, im „Hamorsbrueh” am Stimmstam zwischen Meschede und Warstein, und im „Langenbruch” (Nonnenwinkel) im Kreise Brilon. Die Zundergewinnung gab zu Beginn des 19. Jahrhunderts in drei Erwerbszweigen vielen Fredeburgern Arbeit und Brot. Zunächst mussten in den Wäldern die Pilze gesammelt werden . Bereitet wurde der Zunder in einer regelrechten Zunderindustrie, die damals in Fredeburg bestand. Hierzu gehörte auch das „Schwammklopfen“, das man bis auf die Straßen gehört haben soll. Schließlich setzte man in einem weitverzweigten Hausierhandel auch den Zunder ab . Auf ihren Fahrten kamen die Hausierer bis nach Holland, zur Schweiz sowie nach Polen, Rußland und Ungarn. Als im Sauerland die Zunderporlinge schließlich spärlicher wurden, führte man sie aus Schweden ein, um die Zunderindustrie und damit den Verdienst zu erhalten. In einem Artikel der Westfälischen Nachrichten vom 30 . 11 . 1957 wird sehr anschaulich über die Herstellung des Zunders berichtet . Danach zog der „Tunderkerl ” im Sommer und Herbst tagelang durch den Wald . Mit einer langen Stange, die oben ein scharfes Schabeisen trug, löste er die Schwämme” von den Baumstämmen und sammelte sie in einen Beutel Ein umständlicher Arbeitsgang schloss sich zu Hause an. Die Pilze wurden gereinigt, d. h. alle holzigen Teile entfernt und 14 Tage lang in Pottaschenlauge gelegt. Nach dem Trocknen klopfte man sie noch tüchtig mit dein Holzklöppel, damit sie weich wurden . Danach schnitt man den Zunder in dünne Scheiben und Streifen. So bereitet, diente er als gutes blutstillendes Mittel und wurde von Barbieren, Badern und Apothekern gekauft . Der weitaus meiste Zunder jedoch wurde vor dem Schneiden mit Salpeter eingerieben, damit er beim Feueranzünden leicht brannte. Durch die Erfindung des Zündholzes (um 1830) verlor der Rohstoff Zunder und mit ihm der Zunderporling fast vollkommen seine wirtschaftliche Bedeutung. Heute wird wohl nur noch im Zeichenunterricht (besonders bei der Anfertigung von Kohlezeichnungen) Zunder verwandt. Wenn auch die Zunderherstellung seit Generationen nicht mehr ausgeübt wird, so muß die Erinnerung an diese Arbeit doch sehr lebendig geblieben sein, zumal man noch heute den Namen „Fredeburger Schwammklöpper” kennt . 


Die Fredeburger Schwammklöpper, Hörbeitrag,  6:28 Min