Sauerlandibus
Sauerlandibus = für alle Sauerländer                                       

Pfeifendrechsler aus dem Sauerland

Die Qualmstaken aus dem Sauerland, Audio ca 4 Min.


Auszug: Emil Lütteken, „Elsi“-Pfeifenfabrik

Wenden wir uns von Brilon nach Süden, erreichen wir in ca. 20 Autominuten das schön gelegene Sauerlanddorf Siedlinghausen. Die einstmals selbständige Gemeinde gehört heute zu Winterberg. Die hier im Jahre 1892 von Emil Lütteken gegründete Horndrechslerei hat sich zur größten und bedeutendsten Pfeifenfabrik Westfalens entwickelt. In guter Zeit waren 60 bis 70 Mitarbeiter beschäftigt.

Wir erfuhren bereits, dass sich im Jahre 1859 der Drechslerlehrling Emil Lütteken aus Winterberg zur Gesellenprüfung in Werl angemeldet hat, wo er zu der Zeit bei Meister Caspar Kayser beschäftigt war. Als Gesellenstück hat er eine Pfeife „mit guten Schrauben“ in Hornausführung abgeliefert. Die Wahl der Prüfungsarbeit ist ein sicherer Hinweis, dass Emil Lütteken während seiner Lehrzeit beim Drechslermeister Bonge in Schmallenberg auch die Technik der Pfeifenherstellung gelernt hat.

Der Schritt in die Selbständigkeit erfolgte relativ spät, Emil war 1892 immerhin über 50 Jahre alt. Neben Hornarbeiten hat man bei „Elsi“ anfangs auch lange und kurze Gesteckpfeifen gefertigt, aber Emil Lütteken gehörte in Westfalen zu den wenigen Herstellern, die sich auf moderne Pfeifentypen umstellen konnten. Ihren Höhepunkt erreichte die Firma um 1960. Neben den zu der Zeit dominierenden Bruyerepfeifen in klassischer Form – nach englischem Vorbild – hatte „Elsi“ weiterhin Gesteckpfeifen im Programm. Neben Amboina* und Bruyere wurde für die Köpfe der kurzen Jagdpfeifen auch schwedische Birke verarbeitet. Spezialität war die kurze, gebogene „Rex“-Sportpfeife mit abschraubbarem Abguss, die bis zum Schluss in großen Mengen gefertigt wurde.

Neben den 9-mm-Filterpeifen, die sich mehr und mehr durchsetzten, hat „Elsi“ auch Systempfeifen mit abschraubbarem Kopf entwickelt wie zum Beispiel die „Captain“. Die Angebotspalette wurde immer umfangreicher, weil die Fabrikate in verschiedener Oberflächenbearbeitung geliefert wurden – lackiert, mattpoliert, Antik (geschnitzt) und sandgestrahlt. 

Der als Horndrechslerei gegründete Betrieb konnte sich über drei Generationen 88 Jahre halten. Nach dem Gründer Emil Lütteken übernahmen die Söhne Emil und Karl die Firma, als letzte führten Günter und Josef (Söhne von Emil und Karl) den Betrieb bis zur Auflösung im Jahre 1980. Neben Altersgründen waren wohl auch Absatzprobleme maßgebend für die Betriebsstilllegung.

*Das ziemlich harte Holz ist feinfaserig, dicht und fest. Es lässt sich gut bearbeiten, messern, schnitzen und drehen.

Im folgende Video wird ein Pfeifendrechsler aus Thüringen vorgestellt. Leider haben wir keinen Film aus der Sauerländer Geschichte gefunden. So ähnlich kann man sich aber gewiss unseren "Pfeifenhubert" vorstellen. Der hat zwar keine arabischen Prinzen beliefert, aber immerhin zählten deutsche Spitzenpolitiker zu seinen Kunden.