Sauerlandibus
Sauerlandibus = für alle Sauerländer                                       

Wählerverzeichnis aus dem Jahr 1866

Wählerverzeichnis von 1866 der Gemeinde Siedlinghausen

Unter den vielen altehrwürdigen Dokumenten, die in den Siedlinghauser Heimatstuben über das Leben unserer Vorfahren Auskunft geben, ist das Wählerverzeichnis von 1866 ein besonders aufschlussreiches. Westfalen und damit der Kreis Brilon und schließlich die Gemeinde Siedlinghausen waren noch ein Stück preußischer Provinz. Das erste deutsche Reich entstand erst 1870 unter Kaiser Wilhelm I. und seinem Kanzler Otto von Bismarck. Aufgeschrieben sind in feinster altdeutscher Schrift die Wahlberechtigten aus Siedlinghausen mit Zuname, Vorname, Alter und Stand, 207 an der Zahl. Die Hausnamen sind sauerlandtypisch, die Vornamen klingen eher biblisch alt: Adam, Sylvester, Pius, Melchior, Caspar oder Hieronymus, man meint, im Alten Testament zu blättern. Wahlberechtigt waren Männer ab dem 25. Lebensjahr. Frauen scheint es nicht gegeben zu haben, denn die tauchen im Wählerverzeichnis gar nicht auf. Der älteste männliche Bewohner des Dorfes war 81 Jahre alt, die Lebenserwartung war im Vergleich zu heute deutlich kürzer.

 Vieles lässt sich aus der Spalte „Stand“ herauslesen. 99 Wahlbürger waren von Beruf Handelsmann, fast die Hälfte der männlichen Bevölkerung. Ob sie alle erfolgreich und wohlhabend waren, lässt sich dem Wählerverzeichnis nicht entnehmen. Greift man aber auf andere Quellen zurück, so ist zu vermuten, dass wie überall und zu allen Zeiten nur Wenigen Glück und Wohlstand zuteilwurde. 34 Männer waren Tagelöhner, denen ging es schon damals nicht sonderlich gut. 18 waren Ackerer, sie besaßen wenige Morgen Land, wovon ihre Familien notdürftig leben konnten. Sie übten oft eine zweite Tätigkeit aus, als Waldarbeiter, Korbmacher, Schlachter oder Holzschuhmacher. Sieben Knechte sind verzeichnet, die wohl außer Nahrung und Wohnung keine weiteren Einnahmen hatten. Bei vier Männern steht „ohne“, vielleicht waren sie krank oder behindert, jedenfalls arm, ein Sozialamt gab es noch nicht. Feste Einkommen hatten wohl die jeweils drei Drechsler, Zimmerleute und Schreiner, die drei Kaufleute, Schumacher und Wirte und die drei Bergleute und Förster. Jeweils zwei Schmiede, Müller, Färber und Wagener hatten sicher auch ihr Auskommen. Zwei Oekonomen sind erwähnt, wahrscheinlich Verwalter der Fürstenbergischen Wälder und Güter. Aufgeführt sind jeweils ein Lohgerber, Leinenweber, Maurer und Köhler, ein Schäfer, Schneider, Nachtwächter und Ortsdiener. Ein Rendant (Kassenwart, wahrscheinlich auch im Dienst der Fürstenbergischen Verwaltung) ist verzeichnet, ein Vikar und ein Lehrer. Der Vikar hatte sicher ein volles Haus. Der Lehrer dagegen war entweder völlig überfordert oder er unterrichtete eine überschaubare Schülerschar. Schließlich war die Schulpflicht im Sommer ausgesetzt, weil die Kinder arbeiten mussten, im Winter war es dagegen zu kalt im Schulhaus. Es ist bekannt, dass es in Siedlinghausen trotz der über zweihundert schulpflichtigen Kinder in dieser Zeit nur einen Klassenraum gab. Hinzu kam, dass der Lehrer zum eigenen Überleben auch im Stall und Garten zu tun hatte, so dass er nur wenig Zeit zum Unterrichten erübrigen konnte. „Früher war alles besser“, heißt ein altes Sprichwort, was mit diesem Bericht erneut widerlegt wird.

 Wer mehr erfahren will – vielleicht seine eigenen Vorfahren suchen will – dem sei unsere Website www.sauerlandibus.de empfohlen. Da sind alle Seiten des Wählerverzeichnisses kopiert. Wer das originale schon etwas vergilbte Dokument in natura sehen will, dem sei ein Besuch der Heimatstuben ans Herz gelegt. Anmeldungen bitte bei Bernhard Wegener unter 02983 516. Der Eintritt ist frei. 

Titelseite, Beispielseite und Rückseite des Originals. Das Dokument ist in den Siedlinghauser Heimatstuben ausgestellt.

Die einzelnen Seiten des Wählerverzeichnisses:

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Seite 02.pdf (258.26KB)
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Seite 03.pdf (260.98KB)
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Seite 04.pdf (259.76KB)
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Seite 06.pdf (246.94KB)
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Seite 09.pdf (255.07KB)
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