Sauerlandibus
Sauerlandibus = für alle Sauerländer                                       

Wie der Strom nach Siedlinghausen kam

 Allgemeine Hinweise am Beispiel der Stadt Neheim

1895 beschloss die Stadtverordnetenversammlung, ein E-Werk zu bauen. Den Zuschlag bekam die Firma Helios aus Köln. Sie teilte der Bevölkerung mit, dass sich der Bau eines E-Werkes nur lohne, wenn 1.000 Abonnenten zur Abnahme von Lichtstrom bereit seien und das zu einem Preis von 60 Pfennig pro KWh. Trotz des hohen Preises gab es nach einem Monat bereits 630 Anmeldungen. Daraufhin baute die Firma entsprechend große Dampfmaschinen zur Erzeugung von Strom und konnte damit ab 1896 die erste öffentliche Stromversorgung in Neheim sicherstellen.  

 Viele andere Städte und Dörfer des Sauerlandes folgten dem Beispiel, nicht alle konnten aber so große E-Werke bauen. In den kleineren Gemeinden nahmen Unternehmer die Erzeugung von Strom selbst in die Hand, so auch in Siedlinghausen. Hier hatten seit 1890 Friedrich Anton Schulte (Kaufmanns) und Karl Leutner eine Ziegelei in der Negert betrieben. Die Maschinen und der Brennofen erhielten die Energie von einem Wasserrad mit einem Durchmesser von 5,10 m und einer Breite von 1,40 m. Trotz seiner imposanten Größe lieferte das Wasserrad bei niedrigem Wasserstand nur etwa 13 PS, bei hohem Wasserstand gerade mal 19 PS. Zur Sicherstellung konstanter Energie stellten sie daher im Jahre 1902 zusätzlich eine Dampfmaschine auf. Diese beiden Maschinen lieferten soviel Energie, dass auch ein Stromgenerator angeschlossen werden konnte. Zusammen mit Josef Schulte (Niggen) und Emil Lütteken gründeten sie nun das erste E-Werk im Hochsauerland, das EWS = Elektrizitätswerk Siedlinghausen. Wenige Monate später gab es das erste elektrische Licht in den Häusern und auf den Straßen unseres Dorfes.

Die Ziegelproduktion wurde 1914 eingestellt, sie war nicht ergiebig genug. Dafür wurde die Stromproduktion erheblich ausgeweitet. 1925 kamen zwei Dieselmotoren mit 50 und 75 PS, außerdem eine neue Dampfmaschine mit 200 PS in die Maschinenhalle. Die Erweiterung war notwendig, weil immer mehr Betriebe, z. B. die Drechslereien, Elektro-Motoren benutzen wollten. Erster Betriebsleiter im EWS war August Müller, der Vater von Karl Müller. Erste Lehrlinge im EWS waren Heinrich Steinrücke (Kruppi) und Alois Steinrücke (Voßhöhlers). Alois war bis 1948 Elektro-Meister im EWS, er machte sich danach selbständig. Sein Nachfolger wurde Robert Becker bis zum Jahre 1954, als die VEW das EWS übernahm.

 Die VEW waren 1925 in Dortmund gegründet worden und konnten mit hohen Stromkapazitäten das gesamte Land flächendeckend versorgen. Sie nutzten beispielsweise die Energiegewinnung aus der von 1908 bis 1915 gebauten Möhnetalsperre. Im Laufe der Jahre kauften die VEW alle privaten und kommunalen Kleinerzeuger auf und garantierten im Gegenzug eine dauerhafte und konstante Stromversorgung. Alle Städte und Gemeinden schlossen sich schließlich den VEW an und erhielten dafür günstige Konzessionsverträge, die bis heute den städtischen Finanzen zugute kommen. Übrigens sind alle Verträge mit den VEW für den Zeitraum von 100 Jahren abgeschlossen ab Gründung der VEW, sie laufen also erst im Jahre 2026 aus. Vielleicht gibt es danach wieder private oder kommunale Stromerzeuger.

Waschtag früher, Video (die hier gezeigten Waschgeräte sind in den Heimatstuben vorrätig).

Was für ein Fortschritt!!! Hören Sie bitte:

Ein Waschtag um 1880, Länge 00:03:48

und:

Vom Waschbottich zum Vollautomaten, Länge 00:06:40


Vom Waschbottich zum Vollautomaten, Programm in Wort, Bild und Ton    hier

Dazu diese Fotogalerie