Sauerlandibus
Sauerlandibus = für alle Sauerländer                                       

 

Die freiwillige Feuerwehr

Aus der Geschichte der sauerländischen Feuerwehren

ein Bericht von Theodor Tochtrop, erschienen in der Zeitschrift Sauerland Nummer 2 aus dem Jahr 1979.

Seit Jahrhunderten sind die Menschen bemüht, dem übermächtigen Naturelement Feuer entgegenzutreten, wenn es der Fesseln sich entzieht. Ungezählte Brandkatastrophen haben auch im Sauerland immer wieder namenloses Elend über Städte und Dörfer gebracht. Der Fortschritt in der technischen Entwicklung, die Wandlung der Bau- und Siedlungsweise, erst recht aber Einsatzbereitschaft und Solidarität zeigen uns auf diesem weiten Weg durch die Jahrhunderte den erfolgreichen Kampf gegen das verheerende Element und eine beispielhafte Uneigennützigkeit der Feuerwehr.

 Die Zeit der Brandkatastrophen

Der Wehrdienst zur Bekämpfung der Feuergefahr als Pflicht des Bürgers ist schon in der Zeit der ältesten sauerländischen Städtegründung urkundlich nachgewiesen. In den Zeiten, als die leicht gebauten Häuser der ummauerten Stadt dicht gedrängt bei einander standen, das Strohdach noch vorherrschend war und die Häuserreihen nur durch schmale Gassen voneinander getrennt waren, verursachte vielfach schon ein einfacher Hausbrand eine Brandkatastrophe. Viele sauerländische Städte und Dörfer sind durch Großbrände immer wieder furchtbar heimgesucht worden. Im Jahre 1472 wurde Arnsberg von schwerem Brand betroffen, 1600 fast restlos abgebrannt, im Jahre 1614 brannte es zum halben Teil ab. Die Stadt Attendorn ist bis 1800 mindestens 7mal fast ganz ein Opfer der Flammen geworden. In Hallenberg blieb nach einem Großbrand nur ein Stall stehen, wie die Chronik überliefert. Brilon erlitt im 18. Jahrhundert durch vier Großbrände 1772, 1746, 1758, 1791 schwersten Schaden. Das sind nur einige ausgewählte Beispiele, die zeigen, wie ohnmächtig der Mensch den Gefahren gegenüberstand. Nach solchen Großbränden war guter Rat teuer. Es gab mancherlei Überlegungen und Entschlüsse, um die Abwehr der Feuergefahr vor allem auch durch technische Einrichtungen zu verbessern. Die in den Städten bestehenden Gilden wurden in früher Zeit als wichtigster Bestandteil der Pflichtfeuerwehr eingesetzt, so nach einer strengen Ordnung in Brilon. Aber die technische Ausrüstung zur Brandbekämpfung machte bis gegen Mitte des 19. Jahrhunderts nur mühsame Fortschritte.

Die Löschordnung von 1784

Im Bereich des kurkölnischen Sauerlandes wurde die Brandbekämpfung erstmalig durch die Feuer- und Löschordnung des Kurfürsten Maximilian Franz vom 17.8. 1784 allgemein geregelt. Danach war es strengste Pflicht eines jeden wehrhaften Bürgers, einen ledernen Feuereimer anzuschaffen, den er, sobald die Brandglocke ertönte oder bei sonstigen Feuerzeichen gefüllt eilig zur Brandstelle bringen musste. Jene Bürger, die nicht in der Lage waren, beim Brand zu helfen, mussten mit Wasser gefüllte Bütten vor ihr Haus an die Straße stellen. Der Kurfürst verordnete, dass Städte und Freiheiten wie Brilon, Arnsberg, Meschede und Olpe acht, kleinere Gemeinden vier Feuerleitern und jede Stadt und jede Freiheit für je 150 Häuser eine Feuerspritze anzuschaffen hatten.

Die Verordnung forderte dort, wo Mangel an Löschwasser zu befürchten war, die Anlage von Löschteichen. An jedem Brunnen musste eine große, auf einem Schlitten liegende Wasserbütte bereitstehen und stets gefüllt sein. Der Ausbruch eines Feuers musste durch vereinbarte Zeichen wie Hornruf, Feuersignale oder Brandgeläute durch die Nachtwächter kundgetan werden. Die Nachtwächter standen unter Eid und wurden bei Versäumnissen mit drei Tagen Einsperrung bei Wasser und Brot streng bestraft. Oberste Verantwortung trug der Brandmeister einer Stadt. Er und die Aufsichter waren streng gehalten, die ihnen anvertrauten Brandgerätschaften unverzüglich zur Brandstätte bringen zu lassen. Besitzer von Pferden und anderen Zugtieren mussten sogleich mit ihren Tieren auf dem Marktplatz erscheinen und waren dem Befehl des Brandmeisters unterstellt. Zehn Reichstaler Strafe drohte dem, der sich widersetzte. Zimmerleute, Maurer, Schornsteinfeger und andere Handwerker mussten sich bei Brandalarm mit Handwerkszeug, mit Hacken, Hämmern, Brecheisen, Pickeln einfinden. Untüchtige Leute und Kinder hatten zu Hause zu bleiben, sonst wurden sie arrestiert und bis nach gelöschtem Brand eingesperrt. Streng geregelt war auch die nachbarliche Löschhilfe, sodass selbst jeder benachbarte Ort mit Gerätschaften und Zugtieren einsatzbereit seine erste Hilfe anzubieten hatte. Diese Verordnung schuf zwar eine erste allgemeinverbindliche Grundlage für ein geordnetes Feuerlöschwesen, bedurfte aber immer wieder der Überprüfung und Verbesserung. 

Die hessischen Anordnungen

In der reformfreudigen hessischen Zeit von 1802 bis 1816 ergingen im Jahr 1804 eine gesetzliche Feuerordnung und strenge Weisungen für die Schultheißen. Sie wurden in zahlreichen Feuerordnungen der Städte und Gemeinden wirksam. Nach dem Bericht des Bürgermeisters Füser in Arnsberg musste die Feuerpolizei vierteljährlich unter Hinzuziehung des vereidigten Brandmeisters alle Feuerstätten und Öfen untersuchen. Die Spritzen und Löschgeräte wurden inspiziert. Zur wirksamen Brandbekämpfung wurden vielfach mehrere Abteilungen gebildet, und zwar eine Spritzenabteilung, eine Rettungsabteilung, eine Ordnungsabteilung, während eine vierte Abteilung für die Heranschaffung des Wassers verantwortlich war. Brilon stellte allein sieben Brandhauptleute, denen der Einsatz von sieben Feuerspritzen überantwortet war, die von Angehörigen der Gilden bedient wurden. Die siebte Spritze verblieb dem Einsatz auf dem Marktplatz, um die großen Gefahren des Flugfeuers für zahlreiche strohgedeckte Häuser abzuwehren. Müßige Zuschauer wurden mit einer Brüchtenstrafe von vier Mark belegt. Bewährte Bürger bewachten den Brandplatz. Alle Arbeitsfähigen waren zur Löschhilfe verpflichtet, soweit sie das 14. Lebensjahr überschritten hatten. Die erforderlichen Anstalten zum Feuerschutz und die Pflichten der Hausbesitzer wurden erheblich verschärft.

 Die freiwillige Feuerwehr.

Eine so streng aufgezogene Pflichtfeuerwehr hatte zwar den Vorzug, dass die Lasten des Feuerschutzes von der Allgemeinheit getragen wurden, aber die mehr oder weniger große Bereitwilligkeit der zur Löschhilfe Verpflichteten sowie die unzureichende Schulung führten im Ernstfall dazu, dass infolge mangelhafter Disziplin die Schlagkraft fehlte und eine wirksame und rechtzeitige Bekämpfung des Brandherdes unterblieb. In einer Veröffentlichung des Sauerländischen Anzeigers vom 7. 12. 1878 heißt es: „Die Hilfeleistung der Bevölkerung zur Beschaffung des Wassers und die Reihenbildung ist so schlecht, dass trotz aller Befehle der Polizei es nicht möglich ist, eine circa 60 bis 80 Fuß lange Reihe zu bilden, um das Wasser an die Brandstelle zu bringen. Bei den meisten Bränden hindern jedoch – wie noch heute – die Zuschauer mehr, als dass sie selbst Hand anlegen. Jetzt wird es endlich Zeit, eine freiwillige Feuerwehr zu gründen. Von ihrer straffen militärischen Führung erhofft sich die Bevölkerung einen wirksameren Einsatz gegen Brandgefahren. Das Verlangen nach Bildung einer Wehr auf völlig freiwilliger Grundlage wurde im Sauerland immer nachhaltiger vertreten, weil von ihr besseres fachliches Können, eine Verbesserung der Ausrüstung, vor allem aber eine wirksamere Solidarität der Aktiven mit der Bevölkerung und den Behörden erwartet wurde. Das Jahr 1879 kann als das Geburtsjahr der Freiwilligen Feuerwehr im Sauerland bezeichnet werden, weil in diesem Jahr eine lebhafte Diskussion um die Reorganisation der Wehren einsetzte und die ersten Neugründungen in schneller Folge vollzogen wurden. So zum Beispiel 1879 in Arnsberg, in Brilon, in Fredeburg, in Bigge,1880 in Olpe, 1881 in Neheim, 1884 in Meschede. Die Wehren auf freiwilliger Grundlage fanden breiteste Zustimmung in den Gründungsversammlungen. In Arnsberg konnten von den 120 Bewerbern nur 80 aufgenommen werden, weil die Kosten für die persönliche Ausrüstung so erheblich waren. In dieser Wehr auf freiwilliger Grundlage begegneten sich alle Berufsstände und nahmen uneigennützlich Pflichten auf sich, die bisher der Gesamtheit aller Männer oblagen; Dienstleistungen, besondere Ausbildung und Übungen, denen sie ihre Freizeit opferten. Die ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts standen im Zeichen des technischen und organisatorischen Aufbaues. Auf Kreisebene entstanden Wehrverbände, die zur Verbesserung des überörtlichen Brandschutzes wesentlich beigetragen haben. Dort, wo keine freiwilligen Feuerwehren gebildet wurden, waren alle Männer zwischen 18 und 50 Jahren in der Pflichtfeuerwehr organisiert. Bei Bränden und Übungen mussten sie zur Stelle sein. Ortspolzeiverordnungen regelten die nachbarliche Löschhilfe. In der Kriegs- und Inflationszeit bis 1924 stagnierte das Feuerlöschwesen, wurde aber in den folgenden Jahren vor wachsende Aufgaben gestellt, weil sich die Brandgefahr durch die technische Entwicklung vermehrte, namentlich durch defekte elektrische Hausleitungen oder durch Brandepidemien, deren Ursachen größtenteils unaufgeklärt blieben. Während der NS-Zeit wirkte sich die politische Entwicklung auch auf die Feuerwehren aus, im Vorstadium des totalen Einsatzes wurden sie durch völlig fremde Zwangsaufgaben eingeengt. Selbst die Feuerwehrmänner wurden auf den Führer vereidigt. Ihre letzte persönliche Freiheit schwand dahin, als die Feuerwehren 1942 den geltenden Militärstrafgesetzen unterstellt und 1944 bewaffnet wurden. Durch die Bombenangriffe der Alliierten wurden die Wehren vor fast unlösbare Aufgaben gestellt. Einen der schwersten Einsätze gab es für die Wehren aus Arnsberg und Neheim-Hüsten und der weiteren Umgebung, als im Mai 1943 durch englische Flieger die Möhnekatastrophe ausgelöst wurde. Der Wiederaufbau der Wehren nach dem zweiten Weltkrieg war schwierig und mühevoll, aber nach Jahren zielbewusster Arbeit ein voller Erfolg. Die gesetzlichen Grundlagen des Feuerschutzes wurden erneuert. Die ständige technische Verbesserung der Fahrzeuge und der Geräte, unterstützt mit Mitteln der Gemeinden und des Landes verlangte eine starke Forcierung der Spezialausbildung. Die vielfachen Aufgaben, die den Wehren zusätzlich übertragen wurden, Katastrophenschutz, Verkehrsregelung, Krankentransporte, selbst Rettung von Selbstmördern, dazu die häufigen Waldbrände erforderten intensive Schulung und Erfahrungsaustausch. Der Ausbau der Feuerwehren durch Motorisierung, Einsatz von Tanklöschfahrzeugen, leistungsstarken Motorspritzen hat gerade im letzten Jahrzehnt erhebliche Fortschritte bewirkt. Bemerkenswert ist fast überall die Bereitschaft von Jugendlichen, die in großer Zahl sich dem verantwortlichen Dienst in der freiwilligen Feuerwehr zur Verfügung zu stellen. Im Jahre 1979 können eine Anzahl Sauerländer freiwilliger Feuerwehren auf ihre 100jährige Geschichte zurückblicken. Die Jubiläumsveranstaltungen werden Gelegenheit geben, eine breite Öffentlichkeit von der Leistungsfähigkeit und Leistungsbereitschaft der Freiwilligen Feuerwehren des Sauerlandes zu überzeugen. 


Zum Thema "Freiwillige Feuerwehr" hat Andreas Prior, Mitverfasser der Chronik "100 Jahre Freiwillige Feuerwehr Siedlinghausen" folgenden Beitrag zur Verfügung gestellt. Herzlichen Dank dafür!