Sauerlandibus
Sauerlandibus = für alle Sauerländer                                       

 

Norbert Leiße

 wurde am 14. April 1882 in Siedlinghausen geboren. Er war das achte von zehn Kindern. Im April 1896 kam er als 14jähriger Junge bei dem Kunstmaler Koldkohle in Wiedenbrück in die Lehre, die er allerdings wegen einer Erkrankung abbrechen musste. Zurück in Siedlinghausen ging er bei seinem Bruder als Tapezierer und Anstreicher in die Lehre. Um 1907 studierte er für einige Zeit an der Kunstakademie in Düsseldorf. Nach einer Volontärzeit bei einem Kirchenmaler arbeitete er für Kirchen in Bielefeld, in Unna, in Gelsenkirchen und für das Rathaus in Neheim.

Um 1920 übernahm er das Malergeschäft seines Bruders in Siedlinghausen. Geld verdienen konnten er und seine Berufskollegen in diesem Geschäft allerdings nur im Sommer, wenn die Häuser trocken waren. In den Wintermonaten wurde meist nur ein Zimmer geheizt. Maler- und Tapezierarbeiten in kalten und feuchten Räumen waren aber nicht möglich.

Dann widmete Norbert Leiße sich seiner Kunst. Wer kaufte aber in dieser Zeit schon Kunst im Sauerland? Notgedrungen übernahm er Auftragsarbeiten an und konnte sogar seine Familie damit ernähren. Es entstanden die großflächigen Bilder oft mit religiösen Motiven, die als Hochzeits- und Festtagsgeschenke bestellt wurden.  

Diese Volkskunst, deren bekannteste Ausprägung wohl die Oberammergauer Holzschnitzerei ist, sollte nicht gering geschätzt werden. Sie lehnt sich an die Malerschule der Nazarener an. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts trat in Wien eine Gruppe von Künstlern zusammen, die den Namen von ihrem religiösen Bezug erhielt. Sie bildete eine Gegenbewegung zur damals vorherrschenden Romantik und sie sahen ihre Vorbilder in Dürer, Raffael und Fra Angelico. Kunst gab es bis dahin fast ausschließlich in Kirchen, Klöstern und in wohlhabenden Häusern. Als in zunehmendem Maße Kunst auch vom einfachen Volk erworben wurde, sahen die Nazarener ihre Aufgabe darin, die biblische Botschaft auch in bildhafter Form nahe zu bringen. Ihre Motive, besonders die ihrer Nachahmer, waren dem Zeitgeist entsprechend idealistisch überladen. Bis weit in das 20. Jahrhundert hinein prägte die Religion das Alltagsleben viel stärker als es heute der Fall ist. Dass biblische Illustrationskunst die Zimmer schmückte, war somit eine pure Selbstverständlichkeit.